PLAKAhoch-PLAKAtief . Teil1. Wie flach darf ein Video sein?

Ein Griff in die Filterkiste: einzig plakative Filter haben eine Chance. Eine kleine Ausnahme bildet der letzte Filter. Auch ein Beitrag zur Frage: Was macht die Instagramisierung oder Instagramification mit uns und unseren Videos?

Das Video in ursprünglicher Fassung. Der Schnitt ist anders und die Musik ist gleich, jedoch ist der Umgang unterschiedlich zwischen beiden Versionen.

THE ELEVATOR. ein seh- und hörstück

.Auf und ab, Auf und zu – ein Aufzug, eine Anzeige sowie ein gesprochener Text. Teils stimmen Ansage und Anzeige überein, sie könen auch auseinanderdriften. Ebenso sagt die Stimme einmal „Tür auf“ – im Video schließt sich die Tür aber.

Der Film beginnt mit Szenen, die mit subjektiver Kamera gefilmt sind. Es wirkt, als drücke jemand, der die Kamera hält, den Knopf, um in eine andere Etage zu gelangen. In Wirklichkeit war es das aber nicht. Es ist einfach ein Schritt nach vorne, weil in Wirklichkeit der Aufzug enorm ruckelt. Im Video sieht es der Rezipient allerdings als ein Nach-vorne-Schreiten. Ein Zugeständnis, um den Betrachter leichter „in“ den Film hineinzulassen. So sieht der Betrachter den Film mit den Augen seiner Alltagserfahrung. Diese wird jedoch immer stärker irritiert. Die Ansage verselbständigt sich immer mehr. Die Anzeige auch. All diese Elemente sind von ihrem Zweck befreit, den sie im Alltag haben. Nun sind sie im Video alle emanzipiert und können ihre eigene Chance nutzen, eine Story zu erzählen jenseits der Alltagserfahrung im Kontext des Aufzugs.

Öffnet sich die Tür, so zeigt sich leerer Raum: mal größer, mal beengter in wenig anheimelnder Beton-Architektur. Oder der Innenraum des Lifts wird gezeigt mit seinen Graffiti – dem einzigen Anzeichen, dass Menschen ihn genutzt haben. Irgendwann. Ergo: Der Mensch wird nur in Spuren sichtbar. Anwesenheit eines Abwesenden. Wir sehen im ganzen Video keinen einzigen Menschen. Der aufmerksame Betrachter wird in einem Büro kurz einen Kopf bemerken. Doch der scheint mehr Teil der Architektur zu sein, als dass er den leeren Raum beleben könnte.

Der Experimentalfilm besitzt noch nicht die Stärke, als Ganzes ein Film über Film zu sein. Er ist es aber bereits in Teilen.

Es geht in diesem kleinen Filmchen um Zahlen und ihre Bedeutung. Um auf und zu sowie auf und ab. Und die Verbindung von beidem im Aufzugfahren und die Möglichkeit den Lift zu betreten oder zu verlassen. Es geht nicht um vorherbestimmte Bedeutungen von Zahlen wie es sie in einigen Kulturen oder Gruppen gibt. Solch eine Art von „Sinn“ wird nicht angestrebt. Es geht um Alltagserfahrung und was ist Film/Video?

Dann geht es um narrative Strukturen: wie erzählt Film? Hier achtete ich darauf eher den Zufall einzubetten als mich meines Wissens zu bedienen. Was ich nicht wollte, war die filmischen Erzählungen zu wiederholen, die unsere mediale Wirklichkeit bestimmen. Darum sind auch keine Menschen im Video zu sehen, denn die meisten Filme haben Menschen als Protagonisten. Der Protagonist ist der Lift, wenn nicht gar das Video. Seine Geschichte solange sie eine ist: was ein Aufzug so macht. Auf und ab fahren, die Türen öffnen sowie schließen. Als Hintergrundmusik gibt es nur die Ansage, auf welcher Etage man ist, sofern man das überhaupt sagen kann. Diese Art von Bedeutung dekonstruiert das Video und gibt neue Möglichkeiten frei.

Es gibt keinen Plot. Ebenso gibt es keine Ordnung der Zahlen, obwohl Zahlen eine Ordnungsprinzip sind bzw. eine derartige Struktur darstellen.

Die Szenen sind mit Tablet aufgenommen. Es gab keine Steadycam oder ähnliches, um die Wackler zu vermeiden. Der Film beginnt aber absichtlich mit einer Art subjektiver Kameraführung, in dem er die nervöse Kamera nutzt, um ein Drücken der richtigen Etage zu suggerieren. Das ist das einzige Zugeständnis an bekannte Erzählweisen sowie die letzte Szene des Films, die ich nicht spoilern will. Der Betrachter soll sich aufs Hören und Sehen konzentrieren.

Die Aufnahmen sind alle mit Tablet gedreht und bearbeitet. Das erklärt einige fehlende Möglichkeiten – unter anderem in der Nachbearbeitung. Wie alle filmischen Versuche ist er mehr Notiz oder eine Ansammlung von Notizen, die Form werden wollen. Darin liegt ihr Reiz.

ME, MY SNEAKERS AND I. ein filmischer versuch. Das Video sowie Notizen über das Making-Of

Zugegeben: Der geneigte Betrachter wird einige Redundanzen in diesem kleinen filmischen Versuch entdecken. Er sei hiermit  beruhigt: Das gehört dazu. Ist gewollt. Auch könnte sich der Eindruck partieller Längen einstellen. Ebenfalls das ist Absicht.

Das bescheidene kurze Filmchen trägt zweifelsohne minimalistische Züge. Die Wiederholungen sind nicht (immer) einfach Wiederholungen. Sie sind zu Beginn oder am Ende gekürzt. Die Reihenfolge ist nicht einfach abwechselnd. So findet der Betrachter nicht als Form ein simples A-B-A, sondern es kann ebenso ein A-A-B oder B-A-A oder gar B-A-B sein.

Neben der Musik (Black Train von Boogie Belgique), deren Jazzelemente zweifelsohne nicht unwichtig sind und voller Wiederholungen, ergab sich beim Ton rein zufällig eine Verschiebung, die nicht uninteressant ist. Ich habe mich entschieden, sie so stehen zu lassen, wie sie nun sind. Wie es dazu kam: Ich löschte einen Filmabschnitt, aber stehen blieb der Ton. Eigentlich ein Fehler des Programms, aber nun ein nicht unerheblicher Bestandteil des Filmes. Es sind Wortfetzen („… für die Ewigkeit gemacht“) zu verstehen, die sich nun recht leise immer wieder Gehör verschaffen in ganz unterschiedlichen Situationen ganz einfach durch diese Verschiebung.

Dieser gesamte kleine filmische Versuch ist mobile entstanden: Die Aufnahme wurde auf einem Smartphone gedreht, bearbeitet wurde es auf einem Tablet. Beide unter Android. Die Fassung auf Youtube ist um ca. 3/4 gekürzt.

NARRATIVE ME. ein filmischer versuch

NARRATIVE ME ist ein filmischer versuch. So bezeichne ich experimentelle Filme, die nicht einer Absicht unterliegen, Werk zu werden. Sie sind eher ein Weg, der Ziel werden kann.

NARRATIVE ME zeigt vorwiegend Gesten in Schwarz/Weiß. Nur die einzige Szene, in der geredet wird, ist in Farbe gedreht. Mich erinnert sie ein wenig an Pontormos „Selbstbildnis im Spiegel“. Allerdings komme ich als die abgebildete Person beinahe pastoral predigend rüber. Durch die Umrahmung A-B-A (Schwarz/Weiß – Color -Schwarz7Weiß) entsteht ein Eindruck eines Triptychons. Die Redeszene erscheint wie ein Traum. Oder ist es umgekehrt – die Schwarz/Weißen Videoteile als Traum?

Die Effektfilter weisen – wie so oft – auf das mediale Thema hin: Es geht um Video, seinen Bedingungen und nicht um die abgebildete Person. Video braucht im Gegensatz zur Fotografie Bewegung, deshalb die Gesten oder die Bewegungen der Kamera des Tablets.

Laub

Dieses Bild ist von www.Landschaft-Foto.com (CC BY-NC-ND)

LAUB!

(der Mann ruft ins Publikum. – Längere Pause)

LAUB!

(ruft wieder ins Publikum)

Du irrst ..

(er schaut einzelne an)

Du irrst, wenn du glaubtest ich schreibe über dich

(kurze Pause)

LAUB!

(er schaut wieder einzelne im Publikum an)

Du irrst, wenn du glaubtest, ich berichte über deinen güldenen Glanz.

(nun vorwurfsvoll:)

LAUB!

Du irrst, wenn du glaubtest, ich sei verzaubert von deiner jahreszeitlichen Melancholie.

LAUB!

Du irrst, wenn du glaubtest, ich berichte über dein erdhaftes Parfüm,

(lacht)

oh nein, LAUB!

(längere Pause)

Du hast nämlich recht, wenn du meinst, du seist erdnah darniedergesunken.

NICHT NUR DU. Gar glitschig liegst du da – und nun ich ebenso ….

(er schaut noch einige Zeit vorwurfsvoll ins Publikum)